Knackpunkt Knie – innovative Techniken der Knorpelchirurgie
 

Spiegelglatt ist die Oberfläche unserer Gelenke. Wie eine unberührte Eisfläche schimmern die Gelenkflächen und ermöglichen so ein reibungsloses Gleiten. 10.000 Mal am Tag beugen und strecken wir unsere Kniegelenke: Treppensteigen, zum Bus laufen, schwungvoll Joggen - dabei spüren wir unsere Gelenke gar nicht. Erst wenn Unfälle oder Verschleißerscheinungen die glatte Oberfläche angreifen, wird man sich der Gelenkknorpel schmerzlich bewusst.

Knorpelgewebe überzieht die Oberflächen all unserer Gelenke. Wie ein Stoßdämpfer schützt es vor Druck und Scherbelastung. Die besonderen Eigenschaften von Knorpel sind Elastizität und die Fähigkeit, sowohl das Körpergewicht zu tragen als auch ein nahezu reibungsfreies Gleiten der Gelenke zu ermöglichen.
Im Verborgenen arbeiten die Knorpelzellen und verbinden Kollagenfasern, Wasser, Eiweiße und Kohlenhydrate zu einer homogenen Oberfläche, auf der kein Kratzer zu sehen ist. Ist dieser Vorgang einmal abgeschlossen, so ist eine Regeneration, die Neubildung von Knorpelgewebe, nur noch in sehr begrenztem Umfang möglich.
Der hyaline Gelenkknorpel schimmert im frischen Zustand bläulich und ist in der Lage große Mengen Wasser zu binden.

Dadurch ist er druckelastisch und schützt unsere Gelenke vor Abrieb. Im Lichtmikroskop sind die Fasern nicht erkennbar und bilden eine glatte Oberfläche. Erst der Blick ins Rasterelektronenmikroskop zeigt eine Gitterstruktur. Doch auch der Knorpel unterliegt einem Alterungsprozess:

Knorpel bei 240-facher Vergrößerung: links gesunder, rechts degenerativ verändertes Knorpelgewebe  

Wenn der Knorpel altert, kommt es zur Auffaserung des Knorpelgewebes. Die Oberfläche des betroffenen Gelenkes wird rau – Schmerzen beim Bewegen sind die Folge.
Aber auch durch Unfälle kann es zur Schädigung des Gelenkknorpels kommen. Wie schnell ist es passiert: Ein Sturz beim Skifahren oder ein Unfall mit Verdrehung des Kniegelenkes, dabei wird ein Knochenstück, das mit Gelenkknorpel überzogen ist, herausgerissen. Zurück bleibt ein ausgestanzter Krater – im ungünstigsten Fall in der Hauptbelastungszone des Kniegelenkes.
Jahrzehntelang war die Behandlung der Knorpelschäden eine Domäne der konservativen Therapie – Möglichkeiten der Operation standen nicht zur Verfügung. Bei der schmerzhaften Arthrose, dem „Gelenkverschleiß“, steht auch heute die medikamentöse Behandlung im Zentrum der Therapie. Ziel der Verordnung von Medikamenten wie nichtsteroidalen Antirheumatika und Cortison-Injektionen ist die Verminderung der begleitenden Entzündung des Gelenkes und die Verringerung von Schmerzen. Durch die Injektion von Hyaluronsäure kann der Gelenkknorpel zur Regeneration angeregt werden. Die körpereigene Hyaluronsäure ist ein wichtiger Bestandteil der „Gelenkschmiere“. Sie verleiht dem Gelenkknorpel Elastizität und Stabilität und sorgt damit für ein ungestörtes Gleiten der Gelenkflächen. Eine vollständige Regeneration des Gelenkknorpels ist jedoch durch all diese Maßnahmen nicht möglich.
Seit Jahren wird daher der operativen Behandlung von Knorpelschäden große Beachtung geschenkt. In Schweden und in den USA wurden innovative Techniken mit der Anzüchtung und Transplantation von körpereigenem und fremden Knorpelgewebe entwickelt.

Dr. med. Volker Laute: „Lange Zeit befand sich die Knorpel-Chirurgie im Experimentierstadium – quasi in den Kinderschuhen.

Doch jetzt stehen verschiedene Techniken zur Rekonstruktion des Knorpelgewebes zur Verfügung, die wir im Gelenk- und Wirbelsäulenzentrum Steglitz einsetzen.
Ausgangspunkt ist eine Gelenkspiegelung, die Arthroskopie.

Wie durch ein Schlüsselloch wird eine Kamera in das Kniegelenk eingeführt und alle Strukturen können genau betrachtet werden. Ist der Knorpel defekt, so zeigt sich eine aufgefaserte kraterförmige Zone.
Dr. med. Volker Laute: „Die weitere Vorgehensweise hängt von dem Ausmaß der Knorpelschädigung und der Lokalisation innerhalb der Belastungsflächen des Kniegelenkes ab. Die operative Behandlung wird immer individuell auf den Befund des Patienten und das Beschwerdebild abgestimmt. Wenn die Größe des Defektes und die Lokalisation es zulassen, entnehmen wir Knorpelzellen, züchten diese an und implantieren dem Patienten eine Art neue Knorpelschicht in das betroffene Gelenk, die aus Trägersubstanz und Knorpelzellen besteht.“
Bewährt hat sich auch ein reparatives Verfahren, bei dem körpereigene Regenerationsprozesse angeregt werden: Bei der sogenannten Mikrofrakturierung wird der Knochen unterhalb des geschädigten Knorpels angebohrt. Durch die Eröffnung des Knochenmarkraumes wird ein Reparaturprozess eingeleitet, bei dem faseriger Knorpel zur Deckung des defekten Gelenkknorpels gebildet wird.
Innovativ und mit Erfolg eingesetzt werden Techniken der Rekonstruktion des Gelenkknorpels: Die Mosaik-Plastik ist eine Technik, bei der ein Knorpel-Knochen-Zylinder aus wenig beanspruchten Arealen des Gelenkes entnommen und passgenau in der Zone des Knorpeldefektes verankert wird. Hierbei handelt es sich um ein körpereigenes – autologes – Knorpel-Knochentransplantat, das die Bezeichnung „Osteochondrales Autologes Transplantat System“ (OATS) trägt.
Das Hemicap-Verfahren stellt ein relativ neues Verfahren dar, um einen umschriebenen tief greifenden Knorpeldefekt mit einer Kleinstprothese zu ersetzen. Bei einem minimal-invasiven Eingriff wird eine nagelförmige Prothese in der Defektzone des Knorpels verankert.
Dr. med. Volker Laute: „Innovative Techniken erfordern ein umfassendes Behandlungskonzept. Von der Diagnose bis zur maßgeschneiderten Therapie werden Patienten im Gelenk- und Wirbelsäulenzentrum Steglitz individuell beraten und behandelt.“
Längs gilt nicht mehr die grobe Unterteilung in gelenkerhaltende und gelenkersetzende Verfahren. Durch ausgeklügelte und immer schonendere Operationstechniken kann heute viel erreicht werden.
Dr. med. Volker Laute: „Es lohnt sich immer, sich eingehend beraten zu lassen, bevor die Entscheidung über die geeignete Behandlung oder das Operationsverfahren getroffen wird.“

Im Gelenk- und Wirbelsäulenzentrum Steglitz kommt ein umfassendes Konzept zur Behandlung von Knorpelschäden mit innovativen Operationstechniken zur Anwendung – damit der „Knackpunkt Knie“ nicht zur Schwachstelle im Körper wird.


Andrea Stiehl

 

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